360 Grad Sicht auf die Sixtinische Kapelle

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Sixtinische_Kapelle_Rom

Virtuelle Rundumsicht

Die Vatikanischen Museen in Rom präsentieren Kunstliebhabern mit seefestem Magen eine Rundumsicht der Sixtinischen Kapelle im Internet. Per Maus lässt sich so ein Blick auf die berühmten Fresken auf Wänden und Decke werfen. Selbst der Boden ist in seinen Einzelheiten sichtbar und wer senkrecht aufschaut, erkennt das Michelangelo-Bild von der Erschaffung des Adams. Die Kapelle stand bereits 25 Jahre als Papst Julius 1508 Michelangelo dazu überredete, die Ausmalung der Decken der Sixtinischen Kapelle zu übernehmen. Im Gegensatz zur Vorstellung, die Maler der Renaissance hätten Deckengemälde liegend gemalt, erledigte Michelangelo seine Arbeit auf einem Gerüst aufrecht stehend, Arme und Gesicht zur Decke gestreckt. Nach über vier Jahren muss die Wirbelsäule des Künstlers sehr in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Dank der virtuellen Rundumsicht müssen wir heute nur rückenschonend auf den Bildschirm schauen, um die gesamte Pracht genießen zu können. Einzig zu schnelles Drehen des Bildes per Maus könnte uns heute noch vom Schreibtischstuhl werfen.

Hier ist der Link zur virtuellen Sixtinischen Kapelle.

Von Michelangelo gibt es einige Gedichte, in denen er seinen Schmerz erwähnt. Vorstellbar, dass er mit diesen Zeilen unter anderem auch seinen Rücken meinte:

Oft gleicht ein Bild dem Bildner mehr, o Jammer!

Als dem Modell; so bilde

Ich jetzt nur schmerzlich wilde

Entstellte Züge, klägliche Gestalten!

Dich formen will mein Hammer,

Und formt mich selbst, die Stirn voll Schmerzensfalten.

Was könnt’ ich auch gestalten,

Da Liebe mich vernichtet,

Als diesen müden Leib voll Angst und Trauer?

(Übersetzt von Sophie Hasenclever)

Texte und Gedichte von Michelangelo Buonarroti – wie sein vollständiger Name lautete.

Idee via Ehrensenf.

12 April 2010

1 Leser hat zu " 360 Grad Sicht auf die Sixtinische Kapelle" einen Kommentar geschrieben

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18. Februar 2011 um 00:23 Uhr  
jerzymarian meint:

Mit erhobenen Armen jahrelang zu malen, ist eine unvorstellbare körperliche Leistung, ganz abgesehen von der künstlerischen Anforderung dieser genialen Arbeit. Für uns Besucher wäre die liegende Position beim Betrachten der Decke weniger anstrengend als die Betrachtung im Stehen mit erhobenem Kopf. Ich habe nach zwei Stunden Betrachtung der bemalten Decke tagelang ein steifes Genick herumgetragen und bewundere Michelangelo schon aus dieser banalen Perspektive wegen seiner unglaublichen Kondition.

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