Europawahl: fast ein Meter Stimmzettel

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streichholzer_rainer-sturm

Im Café Europa wird die Auswahl immer größer – nicht unbedingt besser. Am 7. Juni 2009 hat der Bürger auf dem 88-Zentimeter-Wahlzettel die Entscheidung zwischen 31 Parteien getroffen. Darunter begegneten dem Wähler neben den großen bekannten einige exotische Parteien. Das sind zum Beispiel  Die Frauen eine feministische Partei, Die Piraten, Freunde aller Raubkopierer, Die Christliche Mitte (sehr schönen Spoof zum Spot dazu findet Ihr hier) Die Grauen oder die Partei 50Plus, die die Interessen älterer Menschen vertreten. Letzere nennt sich auch Anti-Parteien-Partei. Sehr beliebt in ganz Europa ist das Protestwählen, indem der Wähler das Kreuzchen neben einer Partei macht, deren Sieg er für völlig aussichtslos hält. Was Merkels Konjunkturanschub mit EU-Lebensmittelverordnungen zu tun hat, enzieht sich meinem Verständnis. Ich habe mich mit einem Bekannten unterhalten, der aus Protest sein Kreuz neben einer Partei, „in deren Name irgendwas mit sozial stand“ gemacht hat. Ich erzählte ihm, dass er seine Stimme einer rechtsradikalen Gruppierung gegeben hatte. Selbstverständlich wählen wir Blogger und Journalisten die Piratenpartei. Hebt das Urheberrecht auf! So eine Lapalie wie den Lebensunterhalt verdienen wir uns, indem wir dann Online-Filmtauschbörsen betreiben.

Foto: Rainer Sturm/Pixelio

8 Juni 2009

4 Leser haben zu " Europawahl: fast ein Meter Stimmzettel" einen Kommentar geschrieben

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8. Juni 2009 um 19:38 Uhr  
mrhuss799 meint:

Wittere ich da ein klein wenig Polemik? Die Piraten wollen keineswegs das Urheberrecht aufheben.

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8. Juni 2009 um 22:25 Uhr  
Patricia meint:

Salut Mr. Huss, ja das stimmt. Ich kenne das Programm gar nicht so genau. Unter anderem will sich die Piraten-Partei mit neuen Gesetzen für Internet und Computerspiele auseinandersetzen, stimmt ’s? Zur nicht kommerziellen Nutzung sollen Inhalte grundsätzlich frei gegeben werden. Texte und Fotos von mir finde ich ab und zu auf anderen Websites wieder. Bisher habe ich nie etwas deswegen getan, aber irgendwie stört es mich schon, dass mir so ein Alleinstellungsmerkmal verloren geht.

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9. Juni 2009 um 08:15 Uhr  
mrhuss799 meint:

Hallo Patricia,

ich nehme an, Du beziehst Dich damit die sogenannte Privatkopie. Damit ist eine Kopie im Freundeskreis gemeint, wenn ich z.B. eine CD rippe und sie jemand anders weitergebe. Entgegen dem, was einem die Musikindustrie gerne glauben machen will, ist das auch nach bisheriger Rechtslage völlig in Ordnung, aber die Rechteinhaber sehen das natürlich nicht so gerne. Auch gibt es kein Recht auf Privatkopie, es wird lediglich toleriert.

Eine Veröffentlichung von irgendetwas im Web fällt da gar nicht darunter!

Auch geht es darum, dass ja die Rechteinhaber gerne eine Auskunftsrecht gegenüber dem Provider hätten, um an die per Vorratsdatenspeicherung vorgehaltenen Verbindungsdaten zu kommen. Ja wo sind wir denn? Das ist schon relativ dicht vor Lauschangriff. Man stelle sich vor, zu Vor-Internet-Zeiten hätte ein privater Rechteinhaber die Post durchsehen wollen. Sowas durfte bisher immer nur die Polizei, und die brauchte dazu einen guten Grund und einen Gerichtsbeschluss.

Von einem solchen Auskunftsanspruch hättest Du als freie Autorin natürlich nichts, von dieser Regelung würden ganz klar nur die großen, kommerziellen Anbieter profitieren. Auf der anderen Seite wird jeder Internetnutzer erst mal wie ein potentieller Schwarzkopierer behandelt.

Was mir gerade noch zum Thema Kopierschutz einfällt: Eine vernünftige Langzeitarchivierung von digitalen Daten ist nur möglich, wenn man in regelmäßigen Abständen umkopiert. Der Grund ist ganz einfach, dass Datenträger irgendwann zerfallen. Dass die Rechteinhaber ihre Medien mit Kopierschutz versehen und das Umgehen desselben auch für eigene Zwecke unter Strafe gestellt ist, ist vor diesem Hintergrund ein Skandal, aber nur verständlich: Die Industrie hat natürlich ein Interesse daran, dass die Kunden, wenn ihre CDs nicht mehr lesbar sind, einfach neue kaufen. Bei der Umstellung von Kassette auf CD hat es ja fuktioniert. Ich hab mir eine Reihe von Alben, die ich auf Kassette hatte, später neu gekauft, und da bin ich sicher nicht der einzige.

Und was die Computerspiele angeht: Ich bin ganz klar gegen ein Verbot von Shooter-Spielen und Paintball. Das ist doch nur Aktionismus. Mit der gleichen Begründung könnte man Gewaltfilme im Fernsehen verbieten. Früher hätte man das wahrscheinlich auch gewollt, aber heute kann man sich ja auf die Computerspieler und Paintballer stürzen, das sind ja zahlenmäßig auch weniger. So ein Spiel hat noch niemanden umgebracht, genau so wie auch niemand mit einer Paintball-Kanone umgebracht wurde. Mit Waffen dagegen schon. Warum geht man nicht die Schießbuden auf Jahrmärkten an?

Der Name „Piratenpartei“ ist natürlich ganz klar polemisch. Aber wer hat denn mit diesen Begriffen angefangen? Man muss den Namen lediglich als eine Antwort auf die Terminologie der Rechteinhaber sehen.

Ich finde es übrigens sehr gut, dass Du und andere das Thema aufgreifen. Jetzt machen sich natürlich alle erstmal über den Namen lustig und stellen die Partei als Verein von Raubkopierern dar. Ich hoffe allerdings, dass es bald zu einer ernsthaften Diskussion über die Themen kommen wird. Wenn die Piraten jetzt einen gewissen Grad an Bekanntheit bekommen, wird das hoffentlich passieren. In Schweden ist man ja schon soweit, dort haben die Piraten den Einzug ins Europaparlament geschafft, und die etablierten Parteien greifen die Thematik auf.

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9. Juni 2009 um 10:05 Uhr  
Patricia meint:

Andererseits ist es der Name, durch den die Piratenpartei mir und sicher auch anderen zunächst aufgefallen ist. Meine Befürchtung ist, dass niemand mehr auf bestimmte Websites – zum Beispiel mein Blog – geht, weil er die Inhalte auch anderswo lesen kann. Wo die Piratenpartei mir einen Gefallen tun könnte: es müsste dringend etwas gegen die häufigen Abmahnungen gegen Blogger und kleine Websites getan werden. Ich hatte in der Anfangszeit oft beim morgendlichen Gang zum Briefkasten Herzklopfen, weil ich so viel über Abmahnungen gelesen hatte. Ich geben also zu, dass es gut für uns ist, wenn Politiker im Europaparlament sitzen, die tatsächlich Ahnung von Internet und Computerspielen haben.

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