Ankündigung zum Amoklauf ein Fake? Die Medienmacht der Bernds

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Krautchan Logo

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Kann man mit einem simplen Screenshot Mediengeschichte schreiben? Zwar ist der Anlass sehr traurig und verurteilungswürdig, aber einer Gruppe Internetfreaks scheint es gelungen zu sein, Polizei und globale Medien erfolgreich zu foppen. Krautchan heißt das deutschsprachige Imageboard, auf dem Tim K. – der Amokläufer von Winnenden – angeblich seine Tat einem User namens „Bernd“ angekündigt hatte. Was Polizei und Presse offenbar nicht wussten:  „Bernd“ ist der Name aller Boarduser ohne Nutzernamen und das deutsche Pendant zum englischen Anonymous. Oder anders ausgedrückt: Bei Krautchan ist jeder User zunächst ein Bernd.

Imageboards sind düstere Kreativschmieden des Internets. Oft zynisch und meist geschmacklos. Immer wieder schwappen von dort aus Trendwellen über die Onlinewelt und schaffen manchmal auch den Sprung in unser Offline-Dasein. Leider gilt dieser Effekt auch für negative Bewegungen. Es war ein sehr übler Scherz, den ein User von Krautchan seinen Foren-Kollegen gespielt hatte. Aber für die User dort war das Codewort in der Nachricht „An alle Bernds“ entschlüsselbar. Sie verstanden, dass es sich wahrscheinlich um eine Fake-Nachricht handelte. Nur leider die vielen Journalisten nicht, die übereilig die Informationen zu einer Sensationsnachricht verarbeitet haben.

Trends, die im Internet geboren werden sind häufig etwas wunderbares – das weiß ich sehr zu schätzen. Aber oftmals lohnt es sich, einen Blick auf die Quelle zu werfen, weil einiges davon unwahr ist. Wie lautete die Regel? Verwende für jede Nachricht, die Du verfasst, drei unabhängige Quellen, vergleiche ihre Angaben und nutze dabei Deinen Menschenverstand.

12 März 2009

3 Leser haben zu " Ankündigung zum Amoklauf ein Fake? Die Medienmacht der Bernds" einen Kommentar geschrieben

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13. März 2009 um 09:03 Uhr  

Wohl wahr, wohl wahr. Aber dann muß man erst mal lange recherchieren und dann haben vier andere Zeitungen etc. die Meldung schon veröffentlicht und die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Außerdem möchte der Leser gerne seine „Vorurteile“ bestätigt haben. Es ist ein Spiel, bei dem der ehrliche Journalist nur verlieren kann.

Ich recherchiere selber zu diversen Themen und bin für jeden Artikel manchmal 2 Tage dabei. Was sich dann herausstellt ist nicht immer das, was in den „Pressemeldungen“ sich darstellt. Die Themen zielen nicht nur in den politischen Bereich, sondern leider auch in den gesundheitlichen Bereich, wo aus (kommerziellen ??) Gründen „falsche“ Meldungen in Umlauf gebracht werden.

Benutzt euren Verstand, und denkt erst einmal nach, bevor ihr alles glaubt! Wie sagte ein Reporter: Wir galuben, daß die Politiker uns die Wahrheit sagen – und das schreiben wird dann. // Der Politiker ist immer da, wo sein Image wächst.
Mehr dazu auf: http://abzocker-info.blogspot.com/2009/03/reporter-ohne-grenzen.html : Wie im Internet die Wahrheit z.T. verbogen und manipuliert wird.

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13. März 2009 um 18:56 Uhr  
Patricia meint:

Leider wird saubere Recherche kaum bezahlt. Und falls eine Geschichte nicht funktioniert, gibt es oft noch nicht einmal ein Ausfallhonorar. Die meisten Journalisten beherrschen eigentlich ihren Job recht gut. So manchem blutet das Herz, wenn er nur noch abgeschriebene News „raus schubst“.

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14. März 2009 um 14:43 Uhr  

nachgeblogt.de

Dort ist ein ganz frisches Interview mit dem Betreiber der Seite krautchan.net „Tsaryu“

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